Ein Krimi wird geboren …
Ich werde immer wieder gefragt, wie eigentlich so ein Buch bei mir entsteht. Wie aus einer kleinen Idee in meinem Kopf am Ende z.B. ein fertiger Hunter-B.-Holmes-Roman wird – mit Plot, Cover, Klappentext und allem Drum und Dran.
Also dachte ich mir: Es wird Zeit, euch mal mitzunehmen – Schritt für Schritt. Vom allerersten Gedanken über die Plot-Phase, die Überarbeitungen, das Lektorat bis hin zum Marketing kurz vor dem Release.
Und welches Buch würde sich besser als Beispiel eignen als „Mord unter dem Weihnachtsbaum“? Wer mich kennt weiß: Ein bisschen Weihnachtsstimmung kann ja nie schaden.
Und hier ist meine kleine Serie „Ein Krimi wird geboren – Making of: Hunter B. Holmes“
Von der Idee zum Buch.
Mit jeder Menge Einblicken, Funfacts und meine kleinen Eigenheiten beim Schreibprozess. ☕ Bist du bereit, hinter die Kulissen zu schauen?
Teil 1: Der Plot
Die Idee zu einem Weihnachts-Hunter hatte ich während ich Band 3 „Mord in der besten Gesellschaft“ geschrieben habe. Zu diesem Zeitpunkt war ich allerdings auch schon mitten in den Planungen zu Band 4 und das war im Nachhinein gar nicht schlecht. In Band 4 mochte ich das Setting des kleinen Ortes, in dem Hunter aufgewachsen ist. Aber Hunter gehört nun einmal nach London. Das ist so und das bleibt so.
Also musste ich einen Weg finden, den Mikrokosmos von Meadowfield Hills irgendwie in die Stadt zu bringen. Mit der Villa, die Steven erbt, war der Grundstein gelegt und damit auch die Backgroundstory für den Weihnachts-Hunter.
Dass es in einem weihnachtlichen Fall den Weihnachtsmann treffen würde, stand ab der ersten Sekunde fest. Nur wie genau? Erschießen, erstechen, vergiften – das war mir zu gewöhnlich. Es musste etwas Weihnachtliches sein. Etwas, das zur Stimmung passt. Ihr wollt nicht wissen was für abstruse Ideen ich hatte, von „im Glühwein ertränkt“ bis zu „mit Zuckerstangen erstochen“ war so ziemlich alles dabei.
Nach und nach entstanden die Figuren, die Handlungsstränge und das Grundgerüst der Geschichte. Anfang Dezember 2024 stand dann endlich der Plot – zumindest größtenteils, wie sich später herausgestellt hat.
Bei mir besteht ein Plot immer aus mehreren Dateien:
– eine mit dem kompletten Hintergrundgeschehen, also dem, was ihr beim Lesen erst nach und nach entdeckt
– eine mit allen Figuren, ihren Eigenheiten, Beziehungen und natürlich Aussehen (damit niemand unterwegs plötzlich die Augenfarbe wechselt),
– und das Herzstück: der Szenenablaufplan.
Im Szenenablaufplan steht zu jeder Szene, wo sie spielt, mit wem und was passiert. Das hilft mir, beim Schreiben nach Stimmung zu springen: an manchen Tagen gibt’s Mord, an anderen Hunter und Steven beim weihnachtlichen bummeln und zwischendurch wird ermittelt.
Meistens enthält der Ablaufplan schon 90 bis 95 Prozent der späteren Szenen, aber fast immer kommt beim Schreiben noch etwas dazu.
Als der Plot stand waren es noch 337 Tage bis zur Veröffentlichung.
Teil 2: Der Rohentwurf
Ich vergleiche die Entstehung eines Buches gern mit dem Töpfern.
Der Plot ist der Tonklumpen – und beim Rohentwurf wird daraus ein Gefäß. Noch grob und noch weit weg vom Endergebnis entfernt, aber das Fundament von allem.
Ich schreibe in dieser Phase meistens ziemlich schnell, ohne groß auf ausgefeilte Dialoge oder Atmosphäre zu achten. Es geht darum, die Geschichte erst einmal aufs Papier zu bringen.
Bei den Hunter-Romanen fällt mir das immer etwas leichter, weil diese Welt klare Regeln hat – reale Orte, Ermittlungen, Logik.
Anders ist es z.B. bei „Grisper Castle“, das durch den Fantasy-Anteil eine andere Art von Komplexität mitbringt: Magie, alte Flüche, übernatürliche Zusammenhänge – und kein „Das gibt’s nicht“.
Beides fordert auf seine Weise, nur eben auf ganz unterschiedlichen Ebenen.
Viele Autor*innen kürzen beim Überarbeiten. Bei mir ist es genau umgekehrt: Jeder Durchgang macht das Buch dicker und lebendiger. Nach dem Rohentwurf lag der Roman bei unter 50.000 Wörtern, das fertige Manuskript hat über 65.000.
Mit dem Rohentwurf zum Weihnachts-Hunter startete ich zwei Wochen vor Weihnachten. Ich hatte Urlaub und war unendlich heiß darauf, diese Geschichte zu schreiben. Hunter, Weihnachten, London – für mich die perfekte Kombination.
Also Duftwachs in meine Darth-Vader-Lampe von Scentsy, Kaffee gekocht, Plätzchen und Lebkuchen bereitgestellt – und los ging’s. Draußen war das Wetter grau und nass, drinnen brannten Kerzen, und in den Schreibpausen liefen Weihnachtsfilme, während ich auf der Couch entspannte.
Innerhalb einer Woche hatte ich den Rohentwurf zur Hälfte fertig, die zweite Hälfte zog sich dann aber bis in den Januar. Ihr kennt das bestimmt – es kam Weihnachten, Silvester und das Leben dazwischen mit Freunden, Familie und Terminen. Aber Ende Januar war er abgeschlossen.
Wie ich schon in Teil 1 erwähnt habe, entstehen manche Dinge bei mir erst während des Schreibens. Ein Beispiel: In der Zeit, in der ich Hunter schrieb, waren wir über ein Wochenende in Salzburg, wo mir immer wieder der Krampus begegnete. Diese Figur hat mich so fasziniert, dass sie schließlich ihren Weg ins Buch fand – und Lee ein neues Hobby bekam.
Noch 277 Tage bis zur Veröffentlichung.
Teil 3: Erste Überarbeitung & Testleser
Nach dem Rohentwurf lasse ich ein Skript normalerweise erst einmal ein paar Wochen liegen. Abstand wirkt bei mir wie ein Filter: Was gut ist, bleibt. Was nicht funktioniert, fällt mir beim erneuten Lesen sofort auf.
In dieser Pause kommen mir oft noch neue Ideen, die sich mit etwas Distanz besser einbauen lassen. Die Zeit nach dem Rohentwurf von Hunter 5 habe ich genutzt, um den vierten Teil von „Grisper Castle“ zu plotten.
Mitte März ging es dann an die erste Überarbeitung - für mich immer einer der spannendsten Schritte. Während des Rohentwurfs denke ich eher in Kapiteln, schreibe nicht zwangsläufig chronologisch und springe auch gern zu Szenen, auf die ich gerade Lust habe.
Bei der ersten Überarbeitung sehe ich dann zum ersten Mal, ob die Geschichte als Ganzes funktioniert. Wenn die Szenen in meinem Kopf wie ein Film ablaufen und ich plötzlich dieses Gefühl habe: „Ja, genau so muss es sein“, dann weiß ich, dass ich genau auf dem richtigen Weg bin. Meistens bekommt meine Coverdesignerin Lilly Schwarz in dieser Phase dann eine sehr enthusiastische Voicemail und das Go fürs Cover.
In der ersten Überarbeitung passe ich dann bereits die Dialoge an, bessere offensichtliche Fehler aus und achte vor allem auf die Logik. Parallel frage ich meine Testleser an, ob sie Zeit und Lust haben, einmal unvoreingenommen auf das Skript zu schauen.
Ende April war es dann so weit: Meine Testleser konnten pünktlich zu Ostern ins weihnachtliche London abtauchen und ich hatte, was Hunter betrifft, erst einmal Pause. Zeit für „Grisper Castle“.
An dieser Stelle sollen sie lobend erwähnt sein: Antonia, Lisa, Susan und Björn, die so gut wie jedes meiner Bücher begleitet haben. Sehr oft Rina und seit einem Jahr ist auch Tina fest mit im Team. Ohne euch wäre kein Manuskript, wie es am Ende ist.
Noch 191 Tage bis zur Veröffentlichung.
Teil 4: Zweite Überarbeitung & Lektorat
Die zweite Überarbeitung beginnt, sobald ich das Skript von meinen Testlesern zurückbekomme. Beim Weihnachts-Hunter war das Mitte Mai. Die Anmerkungen, die ich erhalte, sind immer sehr unterschiedlich – mal geht es um Logik, mal um Formulierungen, mal um kleine Ungenauigkeiten, die ich selbst nicht mehr sehe, und manchmal aber auch um tiefgreifendere Dinge.
Ich lese alles aufmerksam durch und erstelle mir für jedes Kapitel eine Do-to-Liste mit Punkten, die ich anpassen oder noch einmal prüfen möchte.
Diese Phase gehört für mich zu den bedeutendsten im gesamten Schreibprozess. Hier schaut zum ersten Mal jemand auf die Geschichte, der sie nicht kennt. Viele meiner Testleser begleiten mich seit Jahren, und hin und wieder kommt jemand neu dazu. Jede neue Perspektive bringt etwas anderes mit.
Oft sitze ich nach dem Einarbeiten der Anmerkungen am Computer, lehne mich zurück und denke: Das könnte man so veröffentlichen. 🤗
Was natürlich nicht stimmt, denn genau dann beginnt die nächste Phase: das Lektorat.
Im Juni ging das Skript zu meinem Lektor Matti. Für alle, die sich fragen, was ein Lektorat eigentlich ist: Im Grunde sind es über 200 Seiten Kritik. Kritik an Ideen, Satzbau, Formulierungen, Logik, Wiederholungen – an allem, was eben auffällt. So würden es zumindest Leute sehen, die nicht gut mit Kritik umgehen können. Für mich ist es anders. Wenn der Plot der Tonklumpen war und der Rohentwurf das erste Gefäß, dann ist die Überarbeitung mit dem Lektorat der Moment, in dem die Form wirklich entsteht. Die groben Unebenheiten sind weg, aber das Filigrane fehlt noch. Der Feinschliff, der eine Geschichte wirklich rund macht.
Dass Matti mein Lektor werden musste, habe ich nach zwei Seiten Probelektorat gemerkt. Wir funken einfach auf derselben Frequenz. Wenn ich ein Skript von ihm zurückbekomme, kribbelt es mich in den Fingern, wieder an den Computer zu gehen und mir sein „Gemecker“ durchzulesen, weil ich weiß, dass die Geschichte dadurch so viel besser wird. Auch wenn ich nicht jeden Vorschlag annehme: Zu 99 Prozent hat der Lektor recht.
Ein Beispiel, bei dem wir unterschiedlicher Meinung waren, stammt aus dem zweiten Hunter. Dort gab es eine Szene mit einem Toten in der Badewanne, der durch einen Föhn im Wasser gestorben ist. Matti schlug vor, dass einer der Hereinkommenden sagen könnte: „Hier riecht es nach gebratenem Hühnchen.“ Ihr könnt euch vorstellen, warum das dann doch nicht im Buch gelandet ist. 😂
In Fall von „Mord unter dem Weihnachtsbaum“ führte das Lektorat sogar dazu, dass ein komplett neues Kapitel entstand, das es vorher nicht gab und das heute zu meinen Lieblingsszenen gehört.
Am 26. Juni bekam ich das lektorierte Skript zurück. Noch 130 Tage bis zur Veröffentlichung.
Mit Matti arbeite ich seit den ersten Grisper Castle-Bänden zusammen. Als ich den ersten Hunter geschrieben hatte, wollte ich unbedingt, dass er ihn lektoriert, aber damals hatte er noch nie einen Krimi gemacht und war unsicher, ob das eine gute Idee wäre. Ich blieb hartnäckig und er hat sich eingearbeitet. Das Resultat kennt ihr. 😉
Teil 5: Korrektorat
Und jetzt geht es langsam in die heiße Phase. Nachdem ich in den darauffolgenden Wochen das Lektorat eingearbeitet hatte, war es bereits Ende Juli. Und dieses Mal hatte ich wirklich zu kämpfen. Für mich war die Geschichte an diesem Punkt stimmig, aber mein Lektor war der Meinung, dass wir noch etwas mehr Hunter–Steven brauchen. Also saß ich mehrere Tage vor dem Manuskript und suchte verzweifelt nach einer passenden Stelle.
An einem Dienstagabend – die Verzweiflung war auf dem Höhepunkt und meine Coverdesignerin gerade Opfer eines längeren Gejammer-Monologs über WhatsApp – fiel mir plötzlich eine Szene ein. Ich wusste sofort, an welcher Stelle sie hingehört. Vierzig Minuten später war sie geschrieben, und ich konnte endlich aufatmen und das Skript ging kurz darauf zurück zu Matti ins Korrektorat.
Im Korrektorat geht es nicht mehr um inhaltliche Dinge, sondern um all das, was am Ende sitzen muss: Rechtschreibung, Grammatik, Satzbau, Zeichensetzung – die letzten Stellschrauben, bevor das Buch druckfertig wird.
Und jetzt wurde es etwas heikel. Ich schicke meine Manuskripte durch insgesamt drei Korrektorate. Der Zweitkorrektor ist einer meiner besten Freunde und Lehrer. In Bayern haben wir ab Anfang August Sommerferien. In seinem Fall hieß das: Die ersten drei Wochen davon war er im Urlaub. Für mich bedeutete das: Entweder ich bekomme das Manuskript noch vor den Ferien zurück oder ich sehe es erst Anfang/Mitte September wieder. Der Erscheinungstermin am 3. November stand da aber schon fest. Eine Verschiebung war nicht mehr möglich.Zum Glück hat Matti gezaubert. Ich habe ihm das Manuskript am 18. Juli geschickt und sage und schreibe eine Woche später hatte ich es wieder zurück.
Noch 101 Tage bis zur Veröffentlichung.
Teil 6: Buchsatz & Zweitkorrektorat
Nachdem ich das erste Korrektorat eingearbeitet hatte, ging das Skript weiter zu den Zweitkorrektoren: Sandra und Stefan. Beide lesen völlig unterschiedlich, und genau deshalb ergänzen sie sich so gut.
Sandra liest am liebsten am Computer. Sie bekommt das Manuskript als Worddatei – schnell, unkompliziert, direkt.
Bei Stefan ist es anders. Stefan ist einer meiner besten Freunde, dazu Deutschlehrer und jemand mit einem fast unheimlich guten Blick für sprachliche Feinheiten. Aber er braucht Papier. Kein Tablet, kein PDF – Papier.
Also heißt es für mich: ab an den Computer, einen vorläufigen Buchsatz erstellen und ein Probeexemplar drucken lassen.
Das Erstellen dieses„Hoppla-hopp-Buchsatzes“ dauert bei mir etwa einen Tag. Danach braucht es ungefähr eine Woche, bis der Probedruck im Briefkasten landet.
Für mich bedeutet das zwar etwas zusätzlichen Aufwand, aber es hat auch Vorteile: Ich sehe früh, wie das Cover gedruckt wirkt, und wir haben die Möglichkeit, falls nötig, noch einmal nachzujustieren.
Anfang August war das Buch dann bei ihm – leider ein wenig zu spät. Genau zu diesem Zeitpunkt flog Stefan nämlich für drei Wochen in den Urlaub.
Zurück bekam ich das Manuskript dann Anfang September. Da war ich allerdings selbst im Urlaub, sodass ich erst Ende September mit dem Einarbeiten der letzten Korrektorate und dem finalen Buchsatz beginnen konnte. Und erst wenn der Buchsatz steht, kann das endgültige Cover entstehen. Dieses Mal hat meine Coverdesignerin sogar eine kleine Sonderschicht eingelegt, damit wir das Cover so schnell wie möglich druckreif bekamen.
Noch 36 Tage bis zur Veröffentlichung.
Teil 7: Klappentext
Für viele klingt es überraschend, aber die schwierigste Sache beim Schreiben eines Buches ist meistens nicht das, was die Leute denken- für mich ist es tatsächlich der Klappentext.
Dabei klingt die Aufgabe eigentlich simpel: Fasse ein ganzes Buch in ein paar Sätze.
Sätze, die genug verraten, damit Leser denken: „Hey, ich bin dein Buch. Ich bin witzig, ich bin spannend, ich bin genau das, was du suchst — und du wirst mich lieben.“
Und gleichzeitig dürfen diese Sätze nicht zu viel preisgeben.
Überlegt selbst mal – was ist für euch ausschlaggebend bei der Entscheidung für ein Buch? Cover, Stimmung, Autor/in oder Bauchgefühl?
Ich sage nicht ohne Grund häufiger den Satz:
„Da schreibe ich lieber noch ein Buch, als einen Klappentext.“
Und jeder, der selbst schreibt, weiß genau, was ich damit meine.
Der Klappentext ist – neben dem Cover – einer der wichtigsten Bestandteile der Vermarktung. Er entscheidet, ob jemand neugierig wird, weiterliest oder das Buch wieder weglegt.
Bei mir entsteht ein Klappentext über Wochen. Ähnlich wie beim Schreiben des Buches selbst gibt es zunächst einen ersten Entwurf. Den überarbeite ich an den darauffolgenden Tagen immer wieder ein wenig, und danach bleibt er erst einmal liegen, bis ich mit Abstand erneut draufschauen kann.
Dann geht es, wie beim Manuskript, an eine kleine „Testleserunde“. Andere Autorinnen, meine Testleser oder auch meine Bloggergruppe. Aus ihren Hinweisen forme ich eine weitere Version, manchmal auch zwei oder drei oder vier.
Am Ende bekommt ihn wieder Matti, um final darüber zu schauen. Und sobald er sagt: „Ja, das ist er.“, geht der Text direkt zu Lilly, die ihn für das Cover braucht.
Teil 8: Cover
Für das Cover springen wir einmal zurück zum Anfang.
Was ich mit Matti als Lektor gefunden habe, das habe ich mit Lilly im Bereich Coverdesign. Mit ihr bespreche ich neue Cover oft schon, während ich noch mitten im Rohentwurf stecke und ab diesem Zeitpunkt stehen wir fast dauerhaft in Kontakt. Da ich ja meistens zwei oder drei Projekte parallel laufen habe, ist das im Grunde fast täglich. Sie ist aber auch immer zur Stelle, wenn ich andere Ideen habe, wie „Hey ich brauch einen Flyer“ oder „So ein neues Messe-Roll-up wäre cool“.
Den allerersten Entwurf für den Weihnachts-Hunter bekam ich im Mai. Und er war schon erstaunlich nah dran am endgültigen Look. Bei uns ist es zum Glück meist so, dass wir von Anfang an in dieselbe Richtung denken. Irgendwann kommt trotzdem der Moment, an dem ich plötzlich an allem zweifle. Dann werfen wir das Konzept über den Haufen, nur um kurz darauf festzustellen, dass die Ursprungsidee eigentlich perfekt war. Und wenn wir uns wirklich gar nicht entscheiden können, kommen meine Newsletter-Abonnenten und meine Bloggergruppe ins Spiel. Von dort kommt regelmäßig wahnsinnig wertvolles, ehrliches Feedback.
Als ich für Hunter 5 den Buchsatz fertig hatte – es war Samstag, der 4. Oktober – saß Lilly schon am Sonntag am endgültigen Cover.
Warum so spät, fragst du dich vielleicht? Der Grund ist simpel: Das Cover „steht“ zwar früh, aber das gilt nur fürs E-Book. Beim Taschenbuch weiß man erst, wenn der Buchsatz abgeschlossen ist, wie viele Seiten das Buch wirklich hat. Und danach richtet sich die Dicke des Buchrückens.
Kurz gesagt: Ohne finalen Buchsatz kein druckfähiges Cover.
Und dieses Mal war es wirklich knapp. Ich wusste, dass meine Druckerei etwa zehn Tage braucht. Also gingen die Druckdaten am Sonntagabend – nur wenige Stunden nach der finalen Buchsatzkorrektur – in die Druckerei.
Da waren es noch 29 Tage bis zur Veröffentlichung.
Teil 9: Marketing
Kommen wir zum letzten Teil: dem Marketing.
Für den Weihnachts-Hunter wollte ich unbedingt einen Farbschnitt. Im Buch geht es ja auch um die Herstellung von Bonbons, also sollte der Farbschnitt wie eine große Zuckerstange wirken und perfekt zum Inhalt passen. Da mich mein Bloggerteam seit Jahren unterstützt, war für mich schnell klar: Dieses Mal sollten sie nicht „nur“ das normale Taschenbuch zum Rezensieren bekommen, sondern die Farbschnitt-Ausgabe.
Die Druckdaten gingen Anfang Oktober an die Druckerei – und damit begann ein kleines Dilemma. Durch die ganzen Buchmessen im Herbst waren sie gut ausgelastet, und was normalerweise knapp zwei Wochen dauert, zog sich dieses Mal auf über vier Wochen. So kam es, dass die Farbschnitte erst am 31.10. bei mir eintrafen.
Noch 2 Tage bis zur Veröffentlichung.
Auf den neuen Hunter B. Holmes mussten dieses Mal alle warten:
Mein Bloggerteam, das die Bücher normalerweise 4–6 Wochen vorab bekommt, hielt sie dieses Mal erst am Tag nach der Veröffentlichung in den Händen. Und die Teilnehmer*innen der Leserunde auf Lovelybooks bekamen ihre Exemplare sogar erst zehn Tage nach dem Start der Runde.
Was passierte nach der Veröffentlichung?
Zum einen sitze ich aktuell täglich in der Leserunde zum Buch und beantworte die Beiträge der Teilnehmer*innen. Zum anderen ist jeden Abend „Lesen üben“ angesagt: Da ich mit dem Weihnachts-Hunter Ende November bei „Potsdam liest queer“ sein werde, bereite ich mich so auf die Lesung vor.
Und es geht noch weiter:
Aktuell läuft auf queer.de ein Gewinnspiel, bei dem ihr fünf Exemplare des Taschenbuchs gewinnen könnt. Im Dezember bin ich mit Sven auf dem Weihnachtsmarkt in Coburg verabredet – auch dort wird es ein Gewinnspiel geben. Und danach kommt hoffentlich wieder etwas Bewegung in Sachen Hörbücher.
Damit sind wir am Ende meiner kleinen Reihe angekommen.
In den letzten Tagen habe ich euch mitgenommen – vom ersten Funken einer Idee über den Plot, den Rohentwurf, die Überarbeitungen, Testleser, Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, Cover und das Marketing bis hin zur Veröffentlichung. Es war für mich spannend, all diese Schritte noch einmal bewusst Revue passieren zu lassen. Vieles passiert im Alltag so selbstverständlich, dass man kaum merkt, wie viel Handwerk, Chaos, Herzblut und Kaffee eigentlich in einem einzigen Buch stecken.
Danke, dass ihr so aufmerksam mitgelesen habt, kommentiert, Fragen gestellt und die Reihe begleitet habt.
Eure Rückmeldungen, egal ob in der Leserunde, in den Kommentaren oder per PN, machen genau das aus, was mein Autorenleben für mich so besonders macht.
Ich hoffe, ich konnte euch nicht nur einen Blick hinter die Kulissen geben, sondern auch zeigen, wie viel Arbeit und wie viel Freude in „Mord unter dem Weihnachtsbaum“ steckt. Mir bleibt jetzt erst einmal zu hoffen, dass auch ihr viel Freunde mit dem Buch haben werdet und wer weiß – vielleicht gibt es beim nächsten Hunter wieder ein „Making of“.
Bis dahin: Danke fürs Mitlesen, fürs Mitfiebern und dafür, dass ihr Hunter & Co. so treu begleitet.